Bunddraht für ältere Gitarren

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Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon Plastiki » Fr Jan 09, 2015 11:58 pm

Hallo,
ja, ich weiß, das hier ist kein Gitarrenbauforum, aber vielleicht kann mir trotzdem jemand eine Auskunft zu dem Thema geben.
Ich habe mir gerade eine alte Migma Halbresonanzgitarre zum ,,Restaurieren" vorgenommen (BJ60er), habe die alten Bünde gezogen und stehe nun vor der Frage, ob ich moderne, harte Bünde, oder weiche einbauen soll. Es gibt ja welche mit weniger Nickelanteil, und welche mit höherem Nickelanteil, sowie aus ,,edelfreiem Roststahl", wie der Fenderisator es zu nennen pflegt.
Nun, die Alten waren natürlich aus weichem Neusilber, und von daher wäre es logisch, auch solchen Draht wieder einzuklopfen. Stellt sich mir die Frage, ob sich da auch tonlich was bemerkbar macht. Verändert sich dadurch auch das Sustain, oder ist das eher nicht merklich? Eine Edelstahlbridge bringt ja angeblich auch mehr Sustain. Oder ist es da die höhere mechanische Impedanz der massereicheren Bridge?
Der nächste Punkt wäre die Korrespondenz mit Flachdrahtsaiten bezüglich der Abnutzung von Saite vs. Bund. Da die Flachdrahtsaite ja merklich weniger ,,schmirgelt" als eine Roundwound, würde ich eher zum weichen Draht tendieren. Und es schont ja auch die Saite.
Ich habe die Gitarre manchmal hergenommen, um so Garagemäßig zu dingsen, weil sie den Sound kann, möchte sie aber auch gern gut spielbar haben, um evtl. auch mehr rauszuholen.
Gibt´s also Erfahrungs- oder Erwanderungsberichte (von denen die sich mühsehlig das erwandert haben, ohne ein Auto zu haben :) )? Und welche Drähte wurden bei alten Fendergitarren eingebaut?


Viele Grüße
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon netto » So Jan 11, 2015 9:51 am

ich kann dazu nur folgendes berichten......ich habe letztens eine gitarre von 80iger jahre jumbo bünden auf edelstahl medium umstellen lassen. soundlich habe ich natürlich keine veränderungen gehört aber so von der haptik sind sie irgendwie anders. klar sind ja auch schmaler aber irgendwie auch kälter und härter. also meine alten gitarren fühlen sich schöner an. ich lasse meine bünde auch immer möglichst flach schleifen. da schütteln manche gitarrenbauer mit dem kopf. neue bünde flacher schleifen, daß machen die nicht so gerne. ist ja dann auch eine herausforderung denn schnarren soll es widerum auch nicht! jedenfalls die mit den edelstahlbünden hab ich verkauft. denn egal wie hoch oder niedrig die bünde waren oder die die saitenlage....die gitarre war nicht schnarrfrei zubekommen. vermutlich lag das am radius vom griffbrett. möglicherweise nur für jumbobünde geeignet? hab den radius vergessen. ob ich dem gitarrenbauer die schuld geben sollte war mir am ende nicht mehr klar. das ging ewig hin und her. er schob es auf die gitarre natürlich. was für eine das war kann man sich denken. angeblich gibt es welche die immer schnarren und andere eben nicht. kann ich soweit allerdings bestätigen. so.....das hat jetzt alles natürlich nicht allzuviel mit deinem thema zutun. aber eine neubundierung würde ich mir selber nie zutrauen. bünde raus und reinmachen schon aber später die ganze feinjustierung! da muß ja trotzdem hier und da nachgefeilt werden und schnell ist dann ein bund leicht höher oder niedriger als der andere usw....
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon Plastiki » So Jan 11, 2015 2:22 pm

Hallo,
also Edelstahlbünde werde ich wohl auch nicht nehmen, da ich auch nicht im Besitz einer Radiusbiegevorrichtung für den Bunddraht bin. Ohne diese soll es wohl noch schwieriger sein, die Bünde reinzuklopfen. Aber trotzdem schön, das du mir die Info bezüglich des Klanges geben konntest.
Ich meine auch, die Edelstahlbünde passen nicht so gut zu Vintage Instrumenten, da sie ja auch nicht anlaufen, so wie Neusilber.

Ich hatte mal gehört, das Griffbretter ohne Compound-Radius beim Bending empfindlicher sind, was Schnarren angeht. Gerade, wenn die Saitenlage sehr komfortabel eingerichtet ist. So ein Compound Radius ist von Hand sicherlich etwas schwieriger anzulegen, als einen einfachen mit einem Radiusschleifblock.
Ich habe auf der Gitarre einen 12" Radius auf dem Griffbrett, was ich nochmal abgerichtet habe, da der Hals schon etwas verzogen war.
Halsschraube hat die Gitarre nicht, dafür einen ordentlichen 27mm(im ersten Bund) dicken U- Hals :shock:. Kommt noch 1mm Bund dazu und etwa reichlich 1mm Saite.... also...lieber nen Spatz in der Hand, als ne Taube im Ohr :D .

Ich hatte aber auch noch den Gedanken, da es ein gefasstes Grigffbrett ist, auch wegen der einfacheren Verarbeitung, den weichen Draht zu besorgen.
Bin auf jedenfall mal gespannt, wenn die Gitarre dann wieder singt. Sie steht schon einige Zeit demontiert herum, und man hat da mal wieder so ein Aha- Erlebniss.
Es wäre aber trotzdem weiterhin interessant, ob früher ausschließlich der niedrig nickellegierte Draht Verwendung fand, oder ob das nur ein (ost)deutsches Merkmal war.

Viele Grüße
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon netto » So Jan 11, 2015 10:58 pm

ach das ist ne ost gitarre....! wußte ich jetzt nicht. dann ist die klampe garantiert aus sperrholz. was ja auch seinen charme haben kann.( höfner und framus haben das auch gemacht zum teil.) außer vielleicht für exportmodelle die dann aber auch mit anderem namen hier verkauft wurden haben die für die einheimische bevölkerung nur die billigsten materialien verwendet, hatten ja auch nix so recht, zu der zeit vorallem.
das solltest du wissen. wer weiß was die für die bünde genommen haben! das kann alles sein.
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon Plastiki » Mo Jan 12, 2015 12:15 am

Ja, Boden und Decke ist laminiert. Ich habe aber auch noch kein weiteres Modell gefunden (im Internet). Sie war auch ursprünglich noch mit 3-Pol Din-Buchse ausgerüstet, welche ich mal vor gut 13 Jahren ausgetauscht habe (vielleicht Mist). Ein Instrumentenbauer aus dem Vogtland hatte sie mal als H.Seifert eingeschätzt, was ich aber nicht ganz glaube. Soviel ich weiß, haben die Instrumentenbauer im Vogtland auch sehr rationell gearbeitet. Arbeitsteilung war da auch schon, bzw. immer noch Gang und Gebe. Also einer hat die Schachteln gemacht, für den Anderen, der dann die Hälse eingesetzt hat.
Da ist es bei Migma- Instrumenten wahrscheinlich nicht so einfach, den eigentlichen Gitarrenbauer zu finden. Anfangs evtl. schon, wenn die Instrumente gelabelt worden. Aber das wollte die Führung damals bestimmt später nicht mehr, sondern nur das ,,großartige Produkt der Volksgenossen". ,, Und dieses ganze Yeah Yeah Yeah". Die mussten doch gar nichts nachmachen :mrgreen:
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon netto » Mo Jan 12, 2015 12:54 am

also ich komme ja aus dem osten. allerdings schon seit 81 hier! also kein spätaussiedler. habe jedenfalls ein etwas gespaltenes verhältnis zu den ddr instrumenten. von meinem vater weiß ich z.b. daß sie sich in den sechziger jahren die gitarren selbst gebaut haben. zum einen weil es kaum welche zu kaufen gab und die, die es gab waren so schlecht daß es wohl auch keinen zweck hatte. später soll das etwas besser geworden sein aber auch nur weil die westlichen kopien immer authentischer wurden. im zuge der heutigen vintage liebhaberei sieht man gerne über vieles hinweg. jedenfalls beim kauf! ich habe damals als 15 jähriger eine jolana rubin mit rübergebracht. da wird heute auch schon für bezahlt. die gab es mal kurz zukaufen im osten. aber absolut keine andere e gitarre. also hab ich die bekommen. empfehlen würde ich die aber auch eher nicht. sieht erstmal nett aus ist aber schrott. die fiel mir mal angesäuselt runter und zersplatterte in tausend einzelteile gleich. ich finde es aber trotzdem schön daß du dich kümmerst.....vielleicht nehm ich mir nochmal eine jolana aus sentimentalen beweggründen. so eine wie ich hatte in rot.
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon Plastiki » Mo Jan 12, 2015 1:30 am

Hmm... naja, bespielen ist bei der Migma auch nicht so einfach. Wie gesagt, dicker Hals. Wenn man aber den Sound schätzt, ist das ne Perle. Die fetzt wirklich. Mit offset contour auch schon. Bin auch nicht so absolut darauf aus, einen flinke Finger Flitzebogen daraus zu machen. Da ist sie gar nicht für gemacht. Es macht einfach Spass, sie ab und zu zur Hand zu nehmen und einen anderen Sound zu haben.
Nun, ich würde eher sagen, das die Instrmente in den fünfziger/Anfang sechziger mehr eigen waren, als einfach nur schlecht. Klar, es konnte nicht mit internationalen Maßstäben mitgehalten werden, bestimmt auch durch die Isolation vom westlichen Markt und vom Zeitgeist, welcher nur ,,Subkulturell" gelebt werden durfte. Es bildete sich eine ganz eigene Formensprache.
Aber ich hatte auch schon mal den Gedanke, das sich ein gutes Echolette Equipment mit einheimischen Instrumenten besser verträgt, als eine Mixtur von Instrumenten und Equipment, da sich ja alles auch auf die Peripherie bezog und abgestimmt wurde. Ist aber nur spekulativ, ich kam leider noch nicht in den Genuss einer schönen alten Echolette. Die letzte, wo ich mitgeboten habe, hab ich ich auch wieder nicht bekommen :cry: .
Naja, ich drifte ab.... in Richtung Pennen gehen!


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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon netto » Mo Jan 12, 2015 9:37 am

führt jetzt noch weiter weg von den bunddrähten...... diese sehr dicken hälse hatten ja einige gitarren in den 50iger 60iger jahren. ein bekannter hat sich letztens so eine wanderklampfe von hopf ersteigert. kann man kaum spielen diesen dicken hals. warum haben die das damals so gemacht? hatten die größere hände als heute? was war der beweggrund? ich hab eine wandergitarre von höfner. die hat widerum einen sehr flachen hals und spielt sich toll. unwissen kann es also eher nicht gewesen sein. dicker hals guter klang? aber wenn man nicht drauf spielen kann?
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon Plastiki » Mo Jan 12, 2015 11:03 am

Ich kann mir vorstellen, das man damals auch etwas in Richtung Sicherheit vor dem Verziehen baute. Bei Hopf gab es ja damals die sogenannten ,,Everstraight" Hälse, aus dem laminierten Holz. Fränkische Instrumentenbauer hatten diese Konstruktionsart auch im Programm. Man setzte also auf Festigkeit. Ob da Halsverstärkungen aus Metall eingebaut waren, weiß ich aber nicht. Jedenfalls haben sich die Hälse auch verzogen. Ein weiterer Faktor ist, das spanische Konzertgitarrenhersteller evtl. diese Konstruktionsmethode beförderten (steifer Hals--->besseres Sustain). Ob das zeitlich passt, sei dahingestellt.

Zum Thema Bundierung habe ich auch mal was ganz ,,verrücktes" gesehen: man hatte einfach eine Folie mit Palisanderdekor(Resopalartig), wo die Bünde bereits auf die Folie geklebt waren, auf die Halsoberseite geklebt. Fertsch dor Lack!!! Bei google gibts da einen Patenteintrag http://www.google.com/patents/DE1744664U?cl=un&hl=de. 1957, also allerfeinste Vintagebundierung :lol:
Soll heißen, man hat, mit den modernen Werkstoffen der damaligen Zeit, versucht, Produktionsweisen zu etablieren, die für günstigste Instrumente ausreichend waren. Da kann ich mir auch vorstellen, das man es dann mit den Halsprofilen auch nicht so genau nahm, auch um Spielraum in eine höhere Güteklasse zu haben. Es spielen ja da oft auch solche Marketingüberlegungen mit rein.
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Re: Bunddraht für ältere Gitarren

Beitragvon Birki » Di Jan 13, 2015 9:12 am

hallo!

wenn das trumm keinen einstellstab hat, würde ich vor allem drauf achten, den hals nicht mit etwaig zu breiten bundstaberl aufzuspreizen wie ein knoblauchbaguette ...

lg
wolfi
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