In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

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In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon SanchoPansen » Do Mai 21, 2015 2:37 pm

In meinem anderen Post, was das Covern, oder 'sich vermarkten' als Surfband angeht, habe ich schon erwähnt, dass ich mehr oder weniger mit einer Punkrock Band getoured bin und dass dies eine sehr ernüchternde Erfahrung war. Ich habe mir damals einfach den Frust von der Seele geschrieben und wer möchte, kann sich folgendes mal durchlesen. Vielleicht erklärt es auch meinen Entschluß, dass ich es dem Publikum eben doch recht machen möchte und mich nicht mehr auf 'no vocal' und 'original' Surf versteife ;-)

'Ich wette, in einer Band zu sein ist wirklich so glamourös wie es aussieht!

'Falsch!'

Ich kenne Dich.

Du bist männlich und zwischen 18 und 45 Jahre alt? Wahrscheinlich gut gebildet, aber jemand der sein volles Potential nie richtig nutzen kann.
Mit Sicherheit auch etwas nerdig, aber auf die 'ironische-daher-ist-es-okay-Weise‘ und ein riesen Fan von Indie Mukke. Wenn Du so bist wie die meisten Leute aus dieser Bevölkerungsschicht, dann war es schon immer ein Traum von Dir in einer Band zu spielen.
Nicht einfach in einer lokalen Band, die in einem schimmligen Keller vor sich hin gammelt und ab und zu mal als Vorband auf irgendeiner Studentenveranstaltung spielen darf oder in irgendeinem Drecksloch im Industriegebiet, sondern in einer echten Band – die auf Tour geht und Publikum zieht, zu Interviews eingeladen wird und über die tatsächlich etwas geschrieben wird. Eine Band die Menschen genauso inspiriert, wie die Bands und Helden des Punkrock, die Dich inspiriert haben.

Kommt zusammen Kinder und lasst Euch eine kleine Geschichte erzählen…und Euch jegliche Illusion rauben!

Geradeheraus gesagt, in einer ‚arbeitenden‘ Band zu spielen ist eine der überbewertetsten Erfahrungen, die man als Mensch machen kann. Klar gibt es ein paar tolle Momente und es hat auch bestimmt den ein oder anderen Vorteil, wenn man es wirklich schafft. Du wirst ein wenig reisen, neue Leute kennen lernen, kreativ sein und das versickern in der Realität etwas hinauszögern können. Natürlich sieht das alles sehr verlockend aus und es lohnt sich diesen Lebensstil anzustreben, richtig? In 99% der Fälle lautet die Antwort: auf keinen Fall! Eigentlich möchte ich jeden davon überzeugen, dass es besser ist einen ordentlichen Schulabschluss und eine gewöhnliche Karriere zu machen und dabei der ehrliche Indie Musik Fan zu bleiben, der man am Anfang war – ohne jegliche Ambitionen ein Rockstar zu werden.

Hier also eine Aufschlüsselung des Ganzen in-einer-Band-spielen Quatschs um zu verdeutlichen, was für ein Haufen Scheiße Euch erwartet. Viel Spaß!

Gigs ausmachen:

Okay, nehmen wir mal an Du spielst in einer Band, die ein Set zusammengestellt und spielen kann und schon ein paar lokale Gigs gespielt hat. Ein paar Connections habt Ihr Euch auch erarbeitet und eine Single – oder wenn ihr besonders kreativ wart – eine ganze CD zusammengeschustert. Um zur nächsten Stufe des Erfolgs zu gelangen müsste ihr da raus. Auf die Straße - in die Klubs! Schließlich geht es ja genau darum: Leute dazu bringen Deine Musik zu hören. Ein Maler malt kein Bild um es in seinem Schrank aufzuhängen und ein Chefkoch kreiert kein Menu, das er anschließend im Klo runter spült. Also ist es absolut selbstverständlich, dass Du die Songs, mit denen Du Dir so viel Mühe gegeben hast, einem Publikum darbieten möchtest. Und Dein Album wird es auch nicht von selbst in die Regale der Plattenläden und in die Sammlung der ‚Fans‘ schaffen.
Die Erste Vorstellung die Du über Bord werfen kannst, ist die, dass es einfach ist eine Tour zu buchen. Fragt jeden, der es schon einmal versucht, bzw. gemacht hat. Es ist einfach saumäßig nervig. Erstmal weiß kein Schwein, wer ihr überhaupt seid. Es ist nicht mehr so schlimm, wenn sich Deine Band etabliert hat und Ihr sowieso schon ein paar CDs veröffentlicht habt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Du Dich ohnehin nicht mehr selbst um das Booking kümmern musst. Aber Du musst erstmal klein anfangen und jede Person auf diesem Planeten, die Dir vielleicht irgendwie einen Gig verschaffen könnte per Email, Facebook oder Telefon kontaktieren. Das Problem ist, dass Promoter die größten Drecksäcke überhaupt sind, die Euch ficken und über den Tisch ziehen werden und Euch dabei ins Gesicht lächeln. Oder wenn Ihr Glück habt trefft Ihr auf ein paar zwielichtige Drogenopfer, die das Herz am rechten Fleck tragen, sonst aber auch nichts drauf haben - außer Zahnbelag. Sich mit diesen Leuten auseinanderzusetzen wird Eure Nerven aufs äußerste strapazieren und Eure Geduld auf die ultimative Probe stellen. Ihr werdet den Eindruck haben, dass die Tour dem Untergang geweiht ist, noch bevor Ihr Euren Kram in den Tourbus geladen habt. Selbst wenn Ihr Klubs meidet und Euch nur auf Studi-Parties und Uni-Veranstaltungen konzentriert, werdet Ihr es unweigerlich mit Studenten zu tun bekommen – und die sind manchmal schlimmer als die Promoter und Drogenopfer, weil sie nicht versuchen davon zu leben. Für Studenten ist die Aufgabe eine Show auf die Beine zu stellen nur ein Lückenfüller zwischen den Klausuren. Deshalb neigen sie dazu absolut unzuverlässig zu sein und sind nur solange nett zu Dir, wie Du vorgibst sie leiden zu können.
Dieser zusammengewürfelte Haufen fauler Säcke ist der Dreh- und Angelpunkt der Zukunft der Rockgeschichte in unserem Land. Seid beharrlich, schmeichelt ihnen, schleimt Euch ein, wasauchimmer – tut was Ihr tun müsst, denn ohne sie werdet Ihr und Eure Tour nirgends hingehen. Mein Ratschlag ist Euch selbst die Demütigung zu ersparen und den Umgang mit diesen Personen völlig zu meiden, aber wenn ihr immer noch entschlossen seid, solltet Ihr das Elend des Reisens berücksichtigen. In der Hoffnung, dass es Euch davon abhalten wird.

Reisen:

Nehmen wir an Ihr habt den Umständen getrotzt und es irgendwie geschafft eine Tour zusammenzustellen, in der Ihr ein paar Wochen am Stück spielen könnt. Die Reise führt Euch in die schäbigsten Bars, die langweiligsten JuZe und die beschissensten Veranstaltungsorte in Eurer Region. Du und Deine Bandkollegen schmeißt alles zusammen, was Ihr noch habt um einen klapprigen Tourbus/Van zu mieten oder sogar zu kaufen. Ihr stopft Euer Equipment in das Gefährt, küsst Eure Frauen Lebwohl und rollt los. Die ersten paar Stunden vergehen wie im Flug und Euer Gehirn läuft auf Hochtouren und es sprudelt vor Gedanken an die ganzen Leute, die das hier schon vor Euch gemacht haben. Nach einer Weile kommt es Euch so vor, als würde das ganze Land gleich aussehen: unangenehm stumpfsinnig. Lange Strecken in Feldern und Wäldern, die nur vereinzelt durch Raststätten, Mc oder BK Filialen und seltsame Geschäfte (absolutes Highlight war eine Tretroller Vertrieb) unterbrochen werden. In der Ferne kann man einen Blick auf die Hinterhöfe irgendwelcher Häuser im Nirgendwo erhaschen. Stoische Mahnmale der deutschen Tristesse. LKW Fahrer schauen amüsiert auf Euch herab, oder mit homosexuellenfeindlichem Zorn. Wenn sie Euch überhaupt beachten.
Nachdem Ihr einige Stunden lang die Straße runtergedonnert seid, kommt ihr endlich am Ziel an, baut Euer Zeug auf, spielt, baut Euer Zeug wieder ab, ladet alles in den Bus und pennt bei irgendjemandem. Das Gleiche macht Ihr am nächsten Tag…und am Tag darauf…20-30 mal hintereinander.
Die psychische Belastung einer Tour ist schon ermüdend, aber ich kann gar nicht oft genug betonen, wie sehr es am eigenen Körper zehrt. Hotels? Pustekuchen! Wenn Du selbst nicht sehr wohlhabend bist, wirst Du wohl die Zeit nach der Show bei irgendjemandem Zuhause verbringen. Wenn Du Glück hast, hat dieser Jemand ein Gästebett oder eine Couch, aber hauptsächlich wirst Du Dir die Nächte im Schlafsack auf dem Fußboden in Dreck und Katzenhaaren um die Ohren schlagen. Im Sommer wirst Du Dich halb totschwitzen und im Wintern die ganze Nacht lang bibbern und frieren. Für gewöhnlich wirst Du sehr müde, hustend und mit schmerzendem Rücken aufwachen. Nach der ersten Woche wird die Kameradschaft und das Geplapper im Tourbus durch Nase hochziehen und ‚ins Leere starren‘ ersetzt. Der schlimmste Teil ist eigentlich das ganze Ein- und Ausladen. Es besteht ein wesentlicher Unterschied zu den Gigs die Du ab und zu mal in Deiner Heimatstadt gespielt hast; Du fährst nur ein paar km und es sind immer Leute da, die Dir beim Schleppen Deines Krams behilflich sind. Du denkst Dir dann: ‚Hey, das ist ja gar nicht so übel.‘ Aber in einer fremden Stadt stehst Du mit dem Rest der Band alleine da und nur ihr seid dafür verantwortlich, dass die ganze Scheiße auf die Bühne kommt – und wieder runter. Oft geht es über den Hintereingang mehrere Treppen rauf oder runter. Selbst der gutmütigste und freundlichste Mensch wird irgendwann unter der physischen und psychischen Last, dem Schlafmangel, dem Schweiß und dem Schmutz zerbrechen. Irgendwann wird einer von Euch krank und teilt die Bazillen selbstlos mit Euch.
Über das Essen haben wir noch gar nicht gesprochen. Echte Bands haben ihr eigenes Catering mit kalten Platten und Sandwiches und vielleicht sogar frischer Pasta. Für Euch ist es aber wahrscheinlicher, dass Ihr an einem Dönerstand haltet, oder Euch einfach einen Burger in’s Gesicht drückt und Euch vor der Show mit fettigem Fraß vollstopft; anstatt Saft und Milch zu trinken werdet Ihr eher viele Softdrinks und noch viel mehr Bier von der Bar in Euch schütten.
In der zweiten oder dritten Woche werdet Ihr Euch krank und desorientiert fühlen und bekommt vielleicht etwas Heimweh. Ihr stellt Euch unweigerlich die Frage, warum Ihr überhaupt die ganzen Strapazen auf Euch genommen habt.
Viele Leute gründen eine Band, um richtige Arbeit zu vermeiden; ironischerweise ist eine Band einer der härtesten Jobs den man haben kann.

Auftreten:

Mindestens genauso langweilig wie stundenlang im vollgestopften Van zu sitzen und aus dem Fenster zu starren ist das, was passiert wenn man endlich am Ziel angekommen ist: stundenlang warten, bevor man endlich spielen darf. Wahrscheinlich ist es zu dunkel um zu lesen, also lindert man den Schmerz mit Flipper und Billard ein wenig. Aber im Allgemeinen schlurft man nur hin und her, wechselt Saiten, zieht neue Drum Felle auf, baut den Merch Stand auf, aber im Grunde genommen…wartet…man. Echte Bands machen einen Soundcheck, damit ihre Musik auch gut klingt. Danach labern sie ein bisschen mit ihren Fans und geben gegebenenfalls noch ein Interview bevor es losgeht. Du hingegen wirst nicht nur keinen Soundcheck machen, nein, der verbitterte und herablassende Soundmann wird sich weigern Dich überhaupt wahr zu nehmen. Es kommt kein einziger Ton aus den Monitor Boxen und die Vocals kommen nicht über die PA. Nachdem Du Dein Set für die 10 anwesenden Gäste gespielt hast (Was? Du Hast nicht wirklich geglaubt, dass Leute um diese Uhrzeit in einen Klub gehen um sich eine Band anzusehen von der sie noch nie etwas gehört haben, oder?) schleppst Du hastig Deine seltsame Sammlung von Verstärkern und halb funktionierenden Gitarren von der Bühne, damit die richtige Band loslegen und Dich vor den plötzlich anwesenden 200 Gästen wegblasen kann. Ein paar Geeks von der ansässigen Uni oder dem Plattenladen fanden Deine Show ganz okay, und erbarmen sich Deiner. Sie kaufen eine CD und bieten Dir einen Platz zum pennen an. Sie haben mehrere Katzen.
Am nächsten Tag wachst Du müde und mit den üblichen Schmerzen auf und fährst zum nächsten Laden. Dort angekommen erklärt Euch der Promoter/das Drogenopfer/der Student, dass sich die lokale Support Band aufgelöst hat, oder die Feuerwehr den Laden dicht gemacht, oder dass er einfach vergessen hat, dass Ihr heute spielen würdet und er deshalb gar keine Werbung gemacht hat. Die Show wird also abgesagt. Todesmutig beschließt Ihr die Nacht bis zum nächsten Ort durchzufahren. Ihr pennt also im Bus und macht am nächsten Nachmittag etwas Sightseeing. Aber auf dem Weg dorthin werdet Ihr erstmal einen Platten haben oder der Motor gibt seinen Geist auf. Oder Ihr werdet von der Polizei angehalten und komplett gefilzt. Oder einer von Euch klemmt sich die Hand in der Tür ein und bricht sich einen Finger. Oder die Frau von einem meldet sich weil sie gerade herausgefunden hat, dass sie schwanger ist. Oder die Mutter von einem stirbt. Oder der ganze scheiß Bus kippt um und alle sterben.
Ihr merkt langsam, worauf es hinausläuft. Es können viele schlimme Dinge passieren während man auf Tour unterwegs ist und die Anzahl der katastrophalen Ereignisse ist umgekehrt proportional zum Bekanntheitsgrad der Band. Was wiederum bedeutet, dass Du – sehr verehrter Herr ‚Ich-will-eine-Band-gründen-und-auf-Tour-gehen-egal-wie-bescheuert-und-unausführbar-die-Idee-überhaupt-ist‘ – bist nicht nur auserkoren zu versagen, sondern demütigendes Elend und permanente Erniedrigung zu ertragen.

Kreativ sein und Kritik bekommen:

Herzlichen Glückwunsch, wenn Ihr Euch dem Schicksal widersetzt habt und in einem Stück von der Tour zurückgekommen seid, die Band sich nicht aufgelöst hat und Euer Equipment nicht geklaut wurde. Jetzt kommt nämlich der schwierigste Teil: ein neues Set schreiben und ein neues Album aufnehmen. Das erste Album zu schreiben und aufzunehmen war einfach, oder? Alle haben zusammen gearbeitet und jeder hat seine guten Ideen einfließen lassen. Ihr hattet Spaß und seid voller Enthusiasmus an die Sache rangegangen. Aber jetzt fließen die Ideen nicht mehr ohne weiteres. Ihr habt Euch verbessert - wenn es darum geht das Maul aufzureißen - aber wenn es um das gemeinsame Schreiben geht, wirkt alles ziemlich verkrampft und gezwungen.
Im Aufwind des großen Erfolges, der mit der Aufnahmen der ersten Single oder des ersten Album einherging, habt Ihr beschlossen ein Studio zu mieten. Aber der Zeitpunkt rückt schnell näher und Ihr seid nicht einmal annährend bereit für neue Aufnahmen; alles was Ihr habt sind vage Ideen von Songs, halbfertige Teile und – meine Fresse – überhaupt keine Texte. Die Proben sind lang, aber die Geduldspanne kurz. Ihr geht also ins Studio – ein besseres als das Letzte – aber verliert Euch schnell in der Fülle des Equipments und der technischen Spielereien die Ihr vorher noch nie gesehen habt. Der Studiobesitzer ist ein echt netter Typ, aber er betreibt ein Geschäft. Er gibt also bereitwillig Eurem Drang nach, neue Songs im Studio zu schreiben und mit verschiedenen Sounds zu experimentieren. Letzten Endes werdet Ihr Euer Budget sprengen und bekommt dafür eine Aufnahme die überhaupt nicht nach Eurer Band klingt. Zum Glück hat sich ein kleines Indie Label bereit erklärt die Platte zu veröffentlichen, aber ganz tief im Inneren magst Du das neue Material nicht so sehr wie die erste Aufnahme. Insgeheim bist Du sogar erleichtert, dass das Label – tatsächlich ein Studienabbrecher, der ein wenig Geld geerbt hat – die Veröffentlichung total verbockt.
Trotzdem finden ein paar Scheiben ihren wundersamen Weg zu einigen Verlagen und die können das Album noch weniger leiden als Ihr selbst. Nach der ersten Single oder dem ersten Album, das Ihr liebevoll selbst veröffentlicht und finanziert habt, sind einige lokale Kritiker durch die Begeisterung Eurer Freunde und Bekannte auf Euch aufmerksam geworden und haben ein paar Zeilen verfasst. Die waren sogar alles andere als schlecht; tatsächlich bewunderten sie Eure Frische und haben Euch sogar mit ein paar Eurer Lieblingsbands verglichen. Dieses mal aber haben sich angesehenere Kritiker, die für eine Zeitung mit einer größeren Auflage schreiben, Euer Album angehört und wenn sie nicht völlig herablassend waren, haben sie sich die Zeit genommen und Euren nicht originären Stil, Eure Kenntnisse über Dynamik und die Falschheit der gesamten Szene in Eurer Stadt zu kritisieren. Die meisten Leute würden den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen und das sinkende Rock’n’Roll Schiff verlassen; aber nein, Du führst die schlechten Bewertungen auf abgestumpfte, übersättigte und böswillige Wichser zurück, die selbst kein Instrument spielen können und deshalb dazu degradiert wurden nur darüber zu schreiben, wie sehr sie alles hassen. Es spielt keine Rolle, dass Kritiker generell wissen wovon sie sprechen und viel lieber eine gute Bewertung schreiben würden. Es spielt nicht einmal eine Rolle, dass Du Dir selbst irgendwie bewusst bist, dass Du nichts anderes machst als anderer Leute Zeit zu verschwenden. Aber Du bleibst hartnäckig, nur um weiterhin Deine faden und muffigen Kekse - die keine Sau fressen will - in die Speisekammer der Unterhaltungsbranche zu legen.

Menschen inspirieren, der Musiker Gemeinschaft etwas zurückgeben, blah-dee-blah-blah

Deine Freunde und Familie sind echt nette Leute und sie werden Dir wohl kaum davon abraten Deinem Traum zu folgen. Aber sie tun Dir keinen Gefallen damit, dass sie Dir Zucker in den Arsch blasen und immer wieder betonen, wie gut Deine Band ist. Daher sage ich es Dir mal ganz unverblümt: Du hast kein Talent!
Versteh‘ mich bitte nicht falsch. Ich liebe handgemachte (Rock)Musik und habe auch verstanden, dass dieses ‚DIY‘ Ding ein wesentlicher Bestandteil dieser Subkultur ist. Viele ausgezeichnete Kunstprojekte – nicht nur Musik, sondern auch Bilder, Filme, etc. – haben es leider nie aus den Amateur Rängen heraus geschafft. Und ich bin auch fest davon überzeugt, dass sich jeder Mensch künstlerisch frei ausdrücken sollte, wenn er der Ansicht ist, dass Ihn dies zu einem besseren Menschen macht. Aber die Kehrseite von DIY – und darüber traut sich kaum jemand zu sprechen – ist, dass es Tür und Tor für jeden Schwachmaten mit einer Gitarre und ein paar Kröten in der Tasche um ein Album aufzunehmen geöffnet hat, um eine Show im örtlichen Rockschuppen zu spielen. Offensichtlich rafft es keiner und kann/will sein eigenes armseliges Talent nicht erkennen. Keiner hat den Anstand die Vorführungen auf Freunde und Verwandte zu beschränken. Schlimmer noch; sie leiden schnell unter Größenwahn und glauben ganz fest an Ihren Erfolg und daran, dass Sie eine Inspiration für andere sein könnten. Was für ein stinkender Haufen narzisstischer Scheiße! Es passiert so selten, so unglaublich selten, dass ein Musiker oder eine Band wirklich gute Musik von anhaltendem Wert schreibt, dass es völlig rätselhaft ist warum sich überhaupt so viele Leute auf eine Bühne bemühen. Aber da sind sie – eine unendliche Parade der Witzfiguren die nicht aufhören wollen uns auf die Nerven zu gehen (und sich selbst zu blamieren), weil irgendwer irgendwo gesagt hat dass es okay wäre es einfach mal auszuprobieren.
Wenn Du eine von diesen Personen bist, lass es mich wiederholen: in einer ‚arbeitenden‘ und tourenden Band zu sein ist einer der anstrengendsten Jobs den es gibt, gespickt mit Anspannung, Stress, Krankheit, Unbehagen und zwielichtigen Charakteren. Mach‘ Musik, wenn es Dich glücklich macht, aber verkneif‘ Dir bitte großspurig zu werden und anzunehmen, Du könntest davon leben – oder dass Du das überhaupt willst. Die Chance, dass Du Dich selbst zum Deppen machst und verzweifelt, enttäuscht und pleite aufgibst und Dir wünschst Du wärst von Anfang an im Publikum geblieben ist einfach zu groß.
Zuletzt geändert von SanchoPansen am Do Mai 21, 2015 5:36 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon SanchoPansen » Do Mai 21, 2015 3:13 pm

P.S.: Ist natürlich alles mir einem Augenzwinkern geschrieben und nicht völlig ernst gemeint. Und ja, ich bin mir bewusst, dass es sich um ein sehr empfindliches Thema handelt und absoluter Zündstoff für hitzige Diskussionen ist.
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon novamax » Do Mai 21, 2015 3:48 pm

Made my day - Ich hab ein breites Grinsen im Gesicht. Genial geschrieben, auch - Du solltest Bücher drüber schreiben (Da ist das Touren für Lesungen wahrscheinlich eine Nuance - aber auch nur die - angenehmer...) :D
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon Plastiki » Do Mai 21, 2015 8:04 pm

Mensch, soviel Text, kann denn hier eigentlich jemand lesen, geschweige denn sprechen? :wink: Du übst für dein Referat ??? 8)
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon Plastiki » Do Mai 21, 2015 11:40 pm

Hmm... ich habe deinen Text gerade gelesen, bin noch nichtmal fertig, und habe immerwieder das ,,Aber", gefunden.
1. Pennen: klar, eine den Jahreszeiten angepasste Penntüte ist da wohl besser, um nicht zu schwitzen oder, schlimmer noch, zu frieren. Und es ist natürlich auch sportlicher, seine Schlüpper auszuziehen und sich nen Pyjama anzuziehen, als in der ollen Kluft zu pennen. Und ein Kopfkissen. Sind ja nur kleine Dinge...
2. Fressen: wenn man mit dem Catering nicht zu frieden ist, kann man sich ja auch ein Messer und ein Brettchen mitnehmen, sich vor Ort was kaufen und ein tolles Sandwich machen. Ist nur Selbstorga, denke ich. Man lernt dadurch auch die Städte kennen. Und wenn man lange fährt, kann man sich ja ooch den ein oder anderen Apfel mitnehmen.
3. Schleppen: Klar, Monotonie. Aber welcher Job hat keine Monotonie, und wem wachsen die Weintrauben in den Mund?

Klar, das ist alles trotzdem verdammt hart, und der Stress, besonders durch die nächtliche Biorhythmusstörung mit Lärm etc, darf man nicht unterschätzen.
That´s Busines. Das ist der Job.Ich wöllte es nicht tun, und freue mich, wenn man ab und an, mit seinen Kumpels die Verstärker anschalten kann, und SO eine ,, Band" zu sein, ohne viel Tralali.
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon netto » Do Mai 21, 2015 11:49 pm

hab auch noch nicht alles gelesen...aber das ist sehr schön! wie man auf sowas kommt hier in so einem forum? der mann ist verrückt bzw. frustriert!? da ich auch so meine erfahrungen aus den achzigern habe verstehe ich auf anhieb das meiste. von allem was man mittlerweile von den idolen weiß haben die sich auch nur miteinander geplagt. erst neulich las ich nochmal diese geschichten mit ritchi blackmore beispielsweise. also es gab im ansatz schlägereien innerhalb der band um das nicht weiter eskalieren zulassen hat man die sache beendet. sowas in der art hört man öfter. ich kann sowas verstehen! ich war im grunde grundsätzlich genervt von meinen mitmusikern die mich nie verstanden haben. nie! (ich war der sänger und songschreiber damals. das bedeutet ständiges warten bis die trottel ihre parts geprobt haben. gähn...im studio z.b. hatte man die letzten 5 minuten weil die andere zeit mit rumdaddeln vergeigt wurde) man ist durch eine anzeige zusammengekommen und hat sich dann auf grund anfänglicher euphorie erstmal eingelassen aber dann.... nach den gigs bin ich immer umständlich alleine nach hause gefahren. kein bock mit denen im hotel oder sonstwo... :D und was hat das alles gebracht? amüsante erinnerungen. ich war letztens bei einer wirklich tollen band aus schweden. die haben hier in einem kleinen club gespielt mit ca.
20 leuten publikum. extra aus schweden für lau gekommen. man müsste nochmal 20 sein!
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon SanchoPansen » Fr Mai 22, 2015 9:38 am

Messer..Brettchen...PYJAMA?! Ich rede hier von Punkrock! Am besten noch den Teddybär mitnehmen ;-)
Aber mal im Ernst, man hat einfach keine Lust auf solche Sachen, wenn man unterwegs ist. Dann doch lieber Döner und Bier. Viel Bier. Und dann betrunken irgendwo einschlafen.
Schweden? 20 Leute? Das waren nicht zufällig 'The Fume'? Mit denen haben wir auf oben beschriebener 'Tour' auch zusammen gespielt. Wäre jetzt ein lustiger Zufall.
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon Plastiki » Fr Mai 22, 2015 2:27 pm

Naklar, den Teddybären hatte ich vergessen. Vielleicht hilft ja ein Kopfkissenbezug aus dem 700- Seiten starken ,,Undergroundmerchkatalog", das Punkrockfeeling positiv zu unterstützen? Und ein Schlafanzug der anesagtesten Bands im Milieu? :idea:
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon netto » Fr Mai 22, 2015 8:39 pm

(nein das war nicht the fume. die hießen pale honey. hat aber eher nichts mit punk oder surf zutun obwohl die sängerin jaguar spielt)
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Re: In einer Band spielen? Wie ist das eigentlich?

Beitragvon Tikidog » Mo Mai 25, 2015 5:01 pm

Ob man das ganze DIY Genre so zynisch sehen muss, wage ich zu bezweifeln.
Ich toure jetzt seit über zehn Jahren in dieser Szene, habe viele nette Leute kennengelernt (auch coole Promoter, die dran glauben und fair sind), tolle Konzerte gespielt (auch ein paar nicht so tolle) und sogar Geld damit verdient. Wenn man sich mal von den Rockstar-Klischees verabschiedet und das Spielen in einer Band eher wie das Betreiben eines kleinen Ladens oder Firma ansieht, kann man da eine Menge Spaß haben. Außerdem lernt man durch das viele Unterwegssein extrem viel über sich und wie man mit anderen Leuten umgeht.
Dass durch die DIY-Szene viel schlechte Musik entsteht, glaube ich auch nicht. Ich finde das Format Radio und das gleichgeschaltete Casting-TV wesentlich bedenklicher....das zerstört viel mehr die Offenheit, die Neugier und das Musikinteresse der Leute als schlechte Bands in Jugendzentren.

Ich bewundere jeden Musiker der - entgegen dem aktuellen Tribute - und Coverband-Trend - sein eigenes Ding macht. Einfach durchhalten würde ich sagen. Natürlich ist das nicht für jeden das richtige, aber das ist das Arbeiten im Büro auch nicht...

Ohne DIY würden heute alle noch Phil Collins und Tina Turner hören...wie in den 80ern.

Hier noch paar Tipps zum Lesen:

http://www.amazon.de/Road-Most-Traveled ... huck+ragan

http://www.amazon.de/101-Ein-Jahr-Tour- ... r+auf+tour

http://www.amazon.de/Road-Ramones-Monte ... he+ramones
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