To Be or Not to Be...

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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Raadenver » Mo Mai 25, 2015 6:11 am

Für die Musik der BBs, J & D, Hondells, Trashmen etc, die so bombastisch erfolgreich war, finde ich die Bezeichnung "California Music" zutreffend. Ich werde mich mit Jeff Hansen aka Big Tikidude auf dem Surfer Joe Summer Festival darüber unterhalten.
Brian Wilson selbst hat bereits 1964 in einem Interview gesagt: "Wir spielen keine Surf Musik. Was wir machen ist Musik für Teenager !!
Weltweit ist die kalifornische Musik eben mit dem Namen der Beach Boys verbunden und das Etikett "Surf Musik" ist dafür immer noch gängig (wenngleich für die vielleicht 2000 Surf Musik Fans weltweit falsch, gilt für die 20.000.000 Menschen, die positive Erinnerungen an die Musik der Beach Boys haben, das Etikett weiterhin als richtig.)
Meine Schwägerin sagte mir, als sie die Version der BBs von Elton John´s "Crocodile Rock" hörte:
"Die Beach Boys mit ihrem Scheiß Surf Sound machen den ganzen Song kaputt!"
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon novamax » Mo Mai 25, 2015 6:55 am

Wär schon mal echt interessant, wie die das sehen.

Auch wenn Wikipedia nicht das Maß aller Dinge ist, ist es doch das Maß derjenigen, die dort Artikel einstellen und derjenigen, die sie lesen, sowie der Quellen, die zitiert werden:

http://en.wikipedia.org/wiki/Beach_music: Eine Musicrichtung des R&B (teilweise pre-Rock'n-Roll)
also known as Carolina beach music, and to a lesser extent, Beach pop, is a regional genre which developed from various rock/R&B/pop music of the 1950s and 1960s. Beach music is most closely associated with the style of swing dance known as the shag, or the Carolina shag, which is also the official state dance of both North Carolina and South Carolina.

http://en.wikipedia.org/wiki/California_Music: Eine Band / Supergroup bestehend aus Teilen der Beach Boys
California Music was a loosely organized American rock supergroup comprising Los Angeles-based studio musicians Bruce Johnston, Terry Melcher, Gary Usher, Curt Boettcher, and Brian Wilson.

http://en.wikipedia.org/wiki/Surf_music:
Surf music is a genre of popular music associated with surf culture. It has two major forms: largely instrumental surf rock, with an electric guitar or saxophone playing the main melody, largely pioneered by Dick Dale and the Del-Tones, and vocal surf pop, including both surf ballads and dance music, often with strong harmonies that are most associated with The Beach Boys.

Ich würde mal Interview-Äußerungen von jungen Künstlern (ob nun Dale oder Wilson) eher als persönliche Sicht einordnen. Und das heißt ja nicht, dass die 2000 Surf Fans weltweit es nicht anders sehen dürfen. Und vor Allem: Am Ende sind das Alles Labels, wichtig ist ja, was gemeint ist.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon SanchoPansen » Mo Mai 25, 2015 7:20 am

'The Beach Boys don't play surf music. The Beach Boys play beach music.' Dieses Zitat stammt von Jeff (BTD) aus dem Film 'Reverb Junkies', den ich jedem an dieser Stelle an's Herz legen möchte.
Klar, die meisten Menschen, vor allem die ältere Generation, verbinden den Begriff 'Surf Musik' eindeutig mit den Beach Boys. Vor allem in Europa. Das liegt aber daran, dass diese Musik hier völlig anders wahrgenommen wurde. Surfen war Ende der 50er/Anfang der der 60er eine sehr verwegene Tätigkeit. Die (meistens) Jungs haben sich Surfbretter geschnappt, der Gesellschaft lebewohl gesagt und sich auf's Brett geschwungen. Dieses Verhalten war mitunter der Anfang der Punkrock Attitüde. Man lebte von den Früchten des Meeres und Landes und streckte der Gesellschaft den Mittelfinger entgegen. Die einzige Tätigkeit neben der obligatorischen Nahrungsbeschaffung war Surfen...okay, und saufen, kiffen und Liebe machen. Man wollte jedenfalls nicht an der Gesellschaft teilhaben.
So haben sich viele dieser Menschen auch die alten Uniformen geschnappt, die ihre Väter aus dem Krieg mitgebacht hatten, und haben diese als reine Provokation zum surfen getragen, was den Begriff 'Surf Nazis' geprägt hat. Wir sprechen hier noch immer über eine Gemeinschaft von anfänglich 50 Personen, später wurden es ca. 200 in Californien und Hawaii. Aussteiger, wenn man so möchte. An dieser Stelle möchte ich Euch die Doku 'Riding Giants' empfehlen, in der dies detailreich erklärt wird. Zusätzlich wird in der Doku auch auf die Musikszene eingegangen und den Aufstieg und Fall der gesamten Surf Szene.
Surf sollte nicht der Untergrund Sport bleiben, der er usprünglich war. Denn aus dem verrufenen Hobby, aus dem meiner Meinung nach, auch die echte Surf Musik entstanden ist, wurde ein Massenphänomen. Aus den anfänglich 50 Personen wurden 1964-1965 mehrere Millionen Surf Begeisterte Menschen an den Küsten in und um die USA. Das, was uns heute der Fußball, war den Menschen zu dieser Zeit das Surfen. Und an dieser Stelle wurde die komplette Szene, inklusive der dazugehörigen Musik, auch von der Vermarktungs Industrie (ganz vorne dabei Disney!) aufgegriffen und sog. Surfbands sprossen wie Pilze aus dem Boden. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer und die Grundlage dieser Diskussion. Man muss also unterscheiden zwischen der 'echten' und handgemachten Surf Musik, Reverb driven rotzige Instro Stücke, teilweise aber auch nett daherkommend, da der Ozean nicht nur rau ist, und dem gegenüber die produzierte, weichgespülte Disney Variante dieser Bewegung. Das sollte der Musik ohnehin den Gnadenstoß versetzen und es wundert überhaupt nicht, dass das anfangs so euphorisch aufgegriffene Phänomen schnell verschwinden und durch etwas neues ersetzt werden sollte - Beat Musik! Also, die Briten waren nicht Schuld am Untergang der Surfmusik - Disney war's!
Deshalb bleibe ich bei der Aussage. Es hat für mich nichts mit Surf zu tun, auch wenn die restlichen 20.000.000 das so sehen. Die meisten Menschen lesen auch gerne die Bild Zeitung. Und auch wenn ich noch 10.000.000 mal die Gegenfrage auf die Frage 'Was macht ihr denn für Musik?' - 'Ach, wie die Beach Boys?' bekomme. 'Pulp Fiction Musik' zu erwidern zieht im Übrigen nicht mehr. Viele Leute kennen diesen Film und den damit einhergehenden Ausbruch des Surfmusik Fiebers nicht mehr.
Zum Abschluß meine persönliche kurze Liste der Surf und Beach Musik, um hier einfach mal ganz pragmatisch den Unterschied aufzuzeigen.

Surf:
The Astronauts (1963)
The Belairs (1960)
The Lively Ones (1963)
The Thrashmen (1963)
The Centurions (1963)
...usw.

Beach:
The Darts (1964)
The Glaciers (1964)
Jan & Dean (1963)
The Hondells (1964)
The Honeys (1963)
The Beach Boys (1962)
...usw.

Mir gefällt tatsächlich beides. Aber viele der Surf Anhänger schreien auf, wenn man eine Band der unteren Liste erwähnt. Das war ja letzten Endes auch der Anlass für diesen Post.
Alles besser als David Guetta oder Beyonce, wenn ihr mich fragt.

Cheers

http://www.sonyclassics.com/ridinggiants/
http://www.amazon.de/Riding-Giants-OV-Jeff-Clark/dp/B00NXX13MA/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1432536012&sr=8-1&keywords=riding+giants
http://reverbjunkiesfilm.com/
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Raadenver » Mo Mai 25, 2015 8:51 am

Musik soll denjenigen gefallen, die sie hören.
Mein Herz wurde in den 60igern zuerst von den Beach Boys berührt, die Entdeckung der instrumentalen Seite kam erst
in den 1970igern, als ich auf AFN Bremerhaven die Jim Pewter Show hörte und lieben lernte.
Surf´s Up and bust your buns!!

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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon simoncoil » Mo Mai 25, 2015 10:31 am

SanchoPansen hat geschrieben:An dieser Stelle möchte ich Euch die Doku 'Riding Giants' empfehlen, in der dies detailreich erklärt wird. Zusätzlich wird in der Doku auch auf die Musikszene eingegangen und den Aufstieg und Fall der gesamten Surf Szene.


Oha, den Film habe ich auch gesehen und hier als DVD stehen. An Bemerkungen zur Surfmusik kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Tja, da "muss" ich den wohl bald nochmal sehen. 8)
(OT: Sehr zu empfehlen ist übrigens auch "Dogtown and Z-Boys" - eine Dokumentation über Skateboarden in den 70ern vom gleichen Regisseur (Stacy Peralta), der damals als Teenager selbst eine Szenegröße war.)

Zu den Genre-Bezeichnungen: Wenn die Brian Wilson sagt, die die Beach Boys spielen keine Surfmusik, dann zeigt das doch mal wieder nur, dass es zwei Sorten von Musikern gibt: Die einen betonen den Bezug zur Tradition und wollen deswegen ihre Band möglichst genau in eine Sparte einordnen: Surf, Instro-Surf oder möglichst noch enger, z.B. als Horror-Punk-Instro-Surf. (Ich gehöre phasenweise auch zu dieser Gruppe. :roll: ) Die Anderen sind eher Individualisten und wollen ihre Musik eben nicht auf einen bestimmten Kontext festgelegt wissen. Brian Wilson fand es wahrscheinlich damals schon blöd, von außen mit einem engen Label wie "Surfmusik" belegt zu werden.

Letztlich ist eines der Probleme mit der Genre-Bezeichnung "Surfmusik", das sich in ihr verschiedene Aspekte vermischt haben, die sich ein wenig widersprechen, aber eben nicht mehr aufgedröselt werden können: Die ursprüngliche Definition von Surfmusik ist ja eine soziale, denn die Belaris und Dick Dale & his Del-Tones wurden zu Surfbands, weil sie ihre (im Grunde genommen recht unterschiedliche) Musik im Dunstkreis der Surfszene spielten und quasi von dieser Szene als "ihre" Bands adoptiert wurden. Eine musikalische Defintion entstand im Grunde genommen erst, als andere Bands die Charakteristika beider Bands aufgegriffen und dazu noch mit Titeln unterfüttert haben, die sich direkt auf das Surfen beziehen. Damit wurde "Surf" aber zugleich auch zum Marketing-Schlagwort: Auch Platten, die weder aus sozialer noch musikalischer Perspektive im engeren Sinne Surfmusik sind, wurden ja mit entsprechenden Covern auf den Markt geworfen. Dazu zählen zahlreiche Studio-Pop-Kreationen aber z.B. auch Freddie Kings "Let's Hide Away and Dance Away", eine Sammlung von Blues(!)-Instros, die 1963 als "Freddie King goes Surfin'" noch einmal aufgelegt wurde.

Spätestens mit "Surf Beat '80" von Jon & the Nightriders wird dann die soziale Komponente des Begriffes durch einen historischen Bezug ersetzt: Während sich die Surfer längst anderer Musik zugewandt haben, wird "Surfmusik" in der Retrospektive definiert als Gitarreninstrumentals aus den frühen 60ern mit Reverb, Double-Picking etc. Dass das auf bestimmte Titel des Kanons nicht passt (eben weil die Musik damals eher sozial definiert war) wird gerne übersehen, damit es nicht zu kompliziert wird. ;-)
Zuletzt geändert von simoncoil am Mo Mai 25, 2015 6:56 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Los Apollos - interplanetary surf music trio.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Tikidog » Mo Mai 25, 2015 5:27 pm

Ob man als Band erfolgreich ist oder nicht, hängt meiner Meinung nach nicht vom Covern oder der Verwendung von Gesang ab.
Zuerst sollte man sich die Frage stellen, was man denn eigentlich will:

Seine eigene Musik spielen, weil man die gut findet, sich kreativ betätigen will (oder muss...) und dann das Publikum davon überzeugen

ODER

das Repertoire spielen, was möglichst großen Anklang findet.

Beides hat seine Berechtigung, ist aber nicht wirklich vergleichbar. Das eine ist Kunst, das andere Unterhaltung ...um es etwas zuzuspitzen :)

Ich hab selbst schon in Coverbands gespielt und da auch nette Komplimente bekommen: Du spielst wie XXXX, Hammer, klingt wie das Original von YYY usw. Geld verdienen kann man damit auch. Letztendlich hätte aber auch ein anderer Musiker den Job machen können.

Trotz aller Schwierigkeiten mit eigenen Songs finde ich es deswegen wesentlich inspirierender, wenn nach einem Konzert vor 30 Zuschauern drei zu mir kommen und sagen, sowas hätten sie noch nie gehört, die Power der Band vor kleiner Kulisse hat sie beeindruckt, der Song XYZ war cool, auf welcher CD ist der drauf oder wenn man nach ein paar Konzerten in einer Stadt plötzlich mit einer Band im Vorprogramm spielt, die von der eigenen Musik inspiriert wurde oder sich sogar deswegen gegründet hat.

Das muss sich auch nicht widersprechen. Man kann durchaus originelle Coverversionen integrieren, die eigene Einflüsse wieder spiegeln und dem Publikum gefallen und dann auch die eigenen Songs den Leuten näher bringen.

ich finde den Trend zu Tribute Bands und Coverbands auf jedem Stadtfest eigentlich sehr deprimierend...Bands, die sich anziehen wie ihre Vorbilder, das gleiche Equipment benutzen, jeden Ton der Studioversion reproduzieren und am Ende noch die Ansagen oder Fehler bestimmter Liveaufnahmen kopieren, haben leider nichts mit Musik zu tun, die einem etwas bedeutet, im Leben weiter hilft und vielleicht ein bestimmtes Gefühl vermittelt - Hoffnung, Freude, Rebellion was auch immer.

Geschäftlich ist das sicherlich clever, musikalisch durchaus auch anspruchsvoll und schwierig, aber leider nicht die Bohne kreativ...

Faszinierenderweise funktioniert dieses Copycat-Tum vor allem bei Musik. Würde jemand in eine Austtelung von einem Andy Warhol Tribute Maler gehen? Oder eine Lesung eines Raymond Chandler Tribute Schriftstellers anhören?

Surf und Instrumentalmusik ist sicherlich kein Mainstream, aber das sind viele Gesangsstile auch nicht...und das finde ich gerade cool daran. Ob man als Band dann überzeugt, hängt nicht nur vom Stil ab, sondern auch von der Liveshow, wie man aufs Publikum zugeht und wie überzeugend man eben die eigenen Songs rüberbringt. Als positives Beispiel kann ich da immer nur Amibands nennen, die in Europa touren...die ziehen auch vor 10 Leuten gandenlos ihr Ding durch.

Am Samstag hab ich Jesse Malin gesehen, kein Surf, sondern amerikanischer Singer Songwriter-Rock aus New York. 30 Leute, aber nach 5 Minuten standen alle vor der Bühne und nach 30 Minuten haben alle getanzt....einfach weil der Mann so überzeugend war in dem was er tat.

Von daher würde ich ganz klar mal für die eigenen Songs plädieren mit der richtigen Attitüde...und aus Spaß kann man ja trotzdem Wipe Out oder Miserlou spielen :) das allein verschafft einem aber auch keine Gigs.

Und das Auftritte mit Coverrepertoire frustrierend sein können, weiß ich aus eigener Erfahrung ebenso...falsche Band am falschen Ort gibts da auch :)
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon novamax » Mo Mai 25, 2015 6:32 pm

@Sancho:
Danke für die geduldige und ausführliche Erklärung, die tatsächlich für mich nochmal sehr erhellend war - Die gehört fast sticky :)

Im Grunde genommen sind wir uns ja über zwei Kategorien einig:
A) eine mit der damaligen Kultur (oder heute deren Mythos) assoziierte, aggressive, raue - Ich finde da rockig sehr treffend.
B) eine davon inspirierte, aber offenbar wesentlich breitenwirksamere, weil gefälligere, glattere, z.T. mit Vocals durchsetzte - Von Popular Culture zu sprechen, scheint da auch nicht falsch.

Ob man sie nun in Rock und Pop unterteilt "Surf Music" unterordnet, oder ob man nun mit Surf Music exklusiv die eine meint und die andere "I don't care just don't call them surf and go away" nennt (Achtung, Ironie, niemand hier gemeint), ändert ja daran nichts. Aber für die meisten Menschen ist wohl die Pop-Seite mind. genauso mit Surfen assoziiert wie die rebellische Seite (wenn auch mit unterschiedlichen Einstellungen und Motiven). Selbst wenn Dennis der einzige BB war, der wirklich gesurft ist: Ich weigere mich einfach, Bands und Songs in Diskussionen um reverb-lastiger Gitarrenmusik aus dem Vokabular auszuschließen, die ihre Riffs auf Jaguars, Strats und P-Basses über Fender Reverbs an Fender Amps gespielt haben, deren Symbol das Surfbrett ist, und deren Titel Surfing, Surfing Safari, Surfing USA, Surfer Girl usw. heißen. Auf die Shadows passt die Definition von Surf Rock ja auch nicht, trotzdem darf Hank Marvin mitspielen ;)

Ich kann aber durchaus nachvollziehen, wenn man "Surf" als exklusiv rebellisch sehen möchte (selbst wenn die 2.000 wohl überwiegend nicht mit der damaligen Szene assoziiert waren, nicht aktiv surfen und sich vielleicht auch ein bisschen dem Mythos verschrieben haben). So wie viele Hardliner-Punks ja die Toten Hosen, Ärzte (vielleicht selbst Idole wie die Sex Pistols im kommerziellen Umfeld...?) von der Definition für Punk Rock ausschließen würden. Damit will ich jetzt auch kein neues Fass aufmachen, sondern nur eine Analogie zum eigenen Verständnis ziehen ;)

@Tikidog: Ich finde es auch immer sehr bedrückend, wenn eine richtig gute Irish Folk Band, vielleicht mit ein paar eigenen Sachen, im Bierzelt höflich gebeten wird "Ey, *hicks* könnt Ihr auch Kanntrrry Rrrrrohds spielen? *hicks* 'sssso ein geiler Sssong..."
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Plastiki » Mo Mai 25, 2015 10:28 pm

Nun, ich hab auch mal über das Thema nachgedacht und möchte nun meinen Senf dazugeben.
Mich persönlich machen Platten, oder Compilationen nicht so an, bei denen zu oft auf dem Blues-Schema rumgedengelt wird. Die Kadenzen machen zwar Spass, sind aber wahrscheinlich eher für die ,,ungeschliffenen" Jungen ,,Wilden". Mach ich auch oft zu Hause, weil´s eben Spass macht, und einfach ist. Zum abreagieren und trainieren der Schlaghand, weil man ja nicht soooviel nachdenken muß, beim Greifen. Oder man legt als Plattenaufleger mal solche Nummern auf, zur Nachkonzertunterhaltung. Das find ich Klasse und bereichernd.
Bei Live- Konzerten verkrafte ich mal eher noch die einfache Songstruktur, wobei ich da jetzt eher von Garage- lastigem Zeug ausgehe, da ich leider nur sehr selten Surf-Konzerte besuche. Da ist der Sound ja auch rauher, und das Strickmuster evtl. auch anders.
Jedoch: mich persönlich hat ja die Faszination aus Sound (klare Fender Sounds) und Melodie in den Bann gezogen, und diese Initialzündung hatten definitiv die ,,Space Hobos" ausgelöst, mit ihrem Programm, damals Ende der Neunziger, aus dem Potpourri bekannter und weniger bekannten Kompositionen der Popkultur.
Von daher Coversongs -total Klasse! Aber das hatte bestimmt auch alles sehr professionellen Hintergrund, mit Ausbildung am Instrument und so. Das merkt man irgendwie am Drive. Und das ist meines Erachtens der Punkt, von ,,To Be or not to be...". Ich glaube man kann die meisten Konzertbesucher mitreisen, wenn man eine gute Schlagzahl fährt. Gepaart mit schönen ,oder auch pathetisch wirkungsvollen, Melodien , ist das meiner Meinung nach, der Schlüssel, das eine Band funktioniert. Ich schaue ab und zu in die Web-Links der Foren Mitglieder, auch auf SG101, und es ist nicht ganz so oft, das ich sofort sage, die Platte kauf ich.
,,The `Verb" fand ich mal wieder sehr toll, wo man sofort sagt, das zündet. Ähnlich ging`s mir bei den Torquays, Fathoms, oder auch den Space Rangers. Musste ich haben, weil schön.
Nicht so ,,(teilweise) kitschig", mehr Genre- und Garagelastig, die Ghastlys, oder auch Nebulas mit ihrem ,,Brutalo-Surf".

Hmm, aber am schwierigsten ist, glaube ich, das Ausblenden seines Egos, beim Reflektieren des selbst Geschaffenen. Ich kann mir vorstellen, das aus diesem Grund der ,,Produzent" mitmischt, und sagt, so und so wäre es besser. Das ist wie ein Lehrer, der einem Zeichnen beibringt, weil der z.B. andere, bessere ,,Anatomiekentnisse" hat. Und er hat nicht den Blickwinkel des Narzisten, der selbstverliebt sein Werk als ,,unantastbar" sieht. Das muss die Band (der Musiker) ja nichtmal absichtlich machen, aber eben aus Unkenntniss und mangelnder Selbstreflektion. Oder eben aus rein dienstleisterischer Komponente. So Bierzeltmitgröhlmusik, was ja aber im Surf- Genre nicht so der Fall ist.
Nun ich selbst war vergangenes Jahr, auf dem SJF, abgetörnt von manchen Bands. Manches war nur Gekloppe. Das war dann so progressiv wie ,, Surf-Riff-Grind-Punk-Core-melodic-Skate-Metal-Jazz mit Beanie offm Kopp bei 36°C", oder so.

Hach, nee ich wees doch ooch nich

,,Unge" misst`n mor sein, da wärn mor anjesaachter. :mrgreen:

Viele Grüße
Plastiki
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Boy from LaJolla » Fr Mai 29, 2015 6:10 pm

"Zur Sicherheit: Das gilt nicht für die jährlich erscheinenden SG101 MP3 Comps. Die bestehen zu großen Teilen aus Homerecording-Skizzen der verschiedenen Forumsmitglieder und dienen eher dem Austausch untereinander." ( Ich kann nicht einmal die quote-funktion richtig bedienen)

Anscheinend war ich dort gelandet. War ja auch mein allererster Besuch da.
Eine ernsthafte Diskussion um die korrekte musikästhetische Terminologie des Surf ist und wird mir fremd bleiben.
Jedenfalls hat BB Carl Wilson so einen 3-Durakkorde-Titel wie"let'sgotrippin'" auf seiner Jaguar sicher ohne Reflektion von Instro und Popsurf eingespielt. Da war einfach nur pure Spielerlaune am Werk ... und einfachstes Handwerk. Und seltsamerweise wurde auch bei dem Mini-Surffestival in PS als Pausenfüller vor den Hickadoolahs ein zum Verwechseln ähnlicher Pausenfüller wie dieser BB-Titel eingespielt. ( Hab wirklich lachen müssen!) Sooo gnadenlos kann die Unterscheidung zwischen Pop und "ernsthaftem"Surf anscheinend doch nicht sein. Oder war das ein Versehen? €:-)
Wenn ich jetzt schon wieder meine Inkompetenz unter Beweis gestellt habe, ... setz ich mich nach Lektüre der Kommentare hin, und spiel mir zum wiederholten Mal meine Soloversion von "Let's go trippin' " auf meiner Yamaha sgv vor, Reissue der 1. ziemlich missglückten FenderKopie mit Samaraischwert-Kopfplatte, nipponbarocken PUs und Trem, und erfreu mich an diesem Stilbruch.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon fenderizer » Di Jun 30, 2015 11:10 am

Tikidog hat geschrieben:Ob man als Band erfolgreich ist oder nicht [...]

Ach ja ... Glückwunsch zum 100. Posting !!!

Gruß - der Fenderizer
they're coming to take me away hahaaa ...
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