To Be or Not to Be...

Alles was sonst nirgends reinpasst hier rein

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Beitragvon SanchoPansen » Do Mai 21, 2015 11:37 am

Liebe Gemeinde,

es wurde vor kurzem in einem anderen Thread angesprochen und ich finde es ist eine diskussionswürdige Frage.

Covern oder nicht covern?!

Ich sehe es so: Wir spielen Surf Musik. Größtenteils instrumental. Das ist ein wenig wie Latein. Gute Basis für alle Musikrichtungen, wird aber nicht mehr aktiv gesprochen/gespielt.
Seit Ende der 90er stehe ich selbst musikalisch auf dem Surfbrett und habe unzählige Gigs auf allen möglichen Veranstaltungen gespielt.
Dabei habe ich beobachtet, dass man einem 'nicht surf' Publikum nicht mehr als 60 Minuten Instrumentalmusik am Stück zumuten sollte - im Interesse aller Beteiligten.
Mein erstes Projekt hat größtenteils eigene Stücke gespielt, jedoch hatten wir auch viele Mashups von bekannten TV Themes im Set (Raumpatrouille Orion, Magnum, Sledge Hammer, etc.). Alles als 'Surf-Punk' mit vielen Samples, wir waren damals große MoAM? Fans.
Ende der 90er war das hier in D noch alles sehr frisch und aufregend und man fand schnell Gigs und wurde auch aktiv überall hin eingeladen und musste sich nie Gedanken machen, ob sich ein Gig auch 'lohnt'. Spritgeld, Verpflegung, Übernachtung, usw. wurde alles ohne zu Fragen vom Veranstalter übernommen.
Heute hat sich das wesentlich geändert. Die Ära der ‚Pulp Fiction‘ Musik ist vorbei, viele Konzertbesucher sind mittlerweile zu Jung, um Pulp Fiction überhaupt zu kennen. Man muss als unbekannte Band mit eigenen Stücken schon fast um Gigs betteln und bekommt dann maximal einen feuchten Händedruck als Gage - wenn überhaupt. Mit meiner Punkrock Band (ausschließlich eigene Stücke, 3 Studio Alben, etc.) habe ich 2013 fast jedes Wochenende gespielt. JuZe, Bars, Kneipen, kleinere Festivals, alles Mögliche. Es war einfach nur ernüchternd und unbefriedigend. Klar, ich habe viele Menschen kennengelernt, viele Kontakte geknüpft, die Konzerte waren größtenteils gut besucht und es herrschte immer eine gute Stimmung. Aber es kam nichts (wirklich nichts) dabei rum und es war, wie der Ami so schön sagt: 'a pain in the ass' um überhaupt an Gigs zu kommen.
Mit meiner aktuellen Band ‚The Hicadoolas‘ haben wir uns daher beratschlagt und sind zu folgendem Entschluss gekommen. Wir schmeißen das pure Instro Mindset über Bord und machen eben doch Vocals. Es gibt genügend gute ‚traditional‘ Surfstücke mit Gesang (Banzai Pipeline, King of the Surf, California Sun sind da nur die Spitze des Eisbergs). Man muss nur tief genug graben, dann finden sich auch viele gute Stücke. Weiter haben wir uns dazu entschlossen, diese Richtung zusammen mit Instro Stücken im Set einzuschlagen, jedoch beschränken wir uns lediglich auf die ‚üblichen Verdächtigen‘, d.h. auf die Songs die jeder kennt (Wipe Out, Miserlou, Penetration, usw.). Ab und zu schleicht sich dann mal ein eigenes Stück ins Set und man kann sehr schnell an der Reaktion des Publikums erkennen, ob der Song was taugt, oder eben nicht.
Es funktioniert. Man muss sich nicht mehr verbiegen, um an Gigs zu kommen. Liegt aber meiner Meinung nach hauptsächlich daran, dass wir uns nicht auf eigenes Material versteifen und das Hauptaugenmerk auf Vocal Stücke legen. Damit können die Leute etwas anfangen. Und mir selbst tut es nicht weh, ich fühle mich nicht schlecht, wenn ich diese Stücke spiele. Ganz im Gegenteil. Es macht mir sehr viel Spaß. Es ist einfach eine gute Mischung.
Bei allem Respekt vor selbst geschriebenem Material, ich möchte mich nicht mehr aus o.g. Gründen darauf beschränken.
Meine Sammlung an Surf Musik ist mittlerweile sehr umfangreich und ich behalte auch gerne die aktuellen Releases im Auge. Entweder werde ich alt, oder sonstwas, aber es gibt wirklich unglaublich wenige neue Alben, die mich noch ernsthaft begeistern. Es gibt einige Ausnahmen, aber vieles finde ich einfallslos, der Sound ist nicht gut und ich spüre keine Energie. Ich greife dann lieber wieder zu den alten Sachen, wenn ich mein Handy/Autoradio bestücke.
Ich verstehe den Drang, eigenes Material entstehen zu lassen und die Befriedigung, wenn man etwas hat entstehen lassen. Aber nicht um jeden Preis und ein hoher Output ist auch kein Garant für Qualität...nicht einmal ein niedriger Output. Und ich möchte Gigs spielen, die ich mir aussuche.
Wie seht ihr das? Ich habe das Gefühl, dass es in unserer ‚Szene‘ immer mehr zum Vocal und Cover ‚gebashe‘ kommt, obwohl es eigentlich nichts schlimmes ist - gerade in unserer ‚Szene‘. Früher gab es keine Discos, die Musik kam nicht vom Band. Es gab ein paar Bands, die zum Tanztreffen aufgespielt haben und die haben alle alles gespielt und gecovert. Deshalb gibt es von vielen Songs der 1st Wave auch so unglaublich viele verschiedene Versionen. Es war für den Urheber auch eine Ehre, wenn sein Song von anderen gespielt wurde.
Hinzu kommt, dass ein ‚normales‘ Publikum heutzutage nicht gerade oft Surf Musik zu hören bekommt, aber die ‚üblichen Verdächtigen‘ höchst wahrscheinlich aber schon einmal gehört hat. Was für die Band dann natürlich wieder von Vorteil ist, da sie eine wesentlich bessere Resonanz des Publikums erhält.
Bin auf Eure Sichtweisen gespannt. Oben geschriebenes ist nur MEINE MEINUNG und die spiegelt lediglich die Erfahrung wider, die ich im Laufe der Zeit gesammelt habe. Vielleicht habt ihr es auch ganz anders erlebt, bzw. erlebt es derzeit völlig anders.

Cheers
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon novamax » Do Mai 21, 2015 12:16 pm

Vorab: Ich spiele keine Gigs, habe nicht viel selbst geschrieben, und bin also in diese Richtung überhaupt nicht aussagefähig. Maximal kann ich meine Meinung beisteuern, wie ich das folgende verstanden wissen möchte.

Ich mag Surf, vor Allem die Klassiker, aber auch manches Neue. Ich mag Surf Rock (ohne Gesang). Und ich mag Surf Pop (mit Gesang). Oder wie immer man das unterteilen möchte. Ich mag einfach den Sound der Gitarren, und ich entdecke immer mehr Reverb Single-Coil Gitarre im Rock / Pop Bereich, was im Radio gespielt wird.

Im Radio wird fast ausschließlich Musik mit Gesang gespielt, bis auf ganz wenige Klassiker der Musikgeschichte (Axel F, Misirlou, Popcorn, Peter Gunn, usw.). Das hat Gründe. Die 60 Minuten würde ich so bestätigen - Irgendwann wird's in den Ohren der meisten Zuhörer (nicht Surf-Fans) "Gedudel" - "klingt Alles gleich". Ich konnte deswegen noch nie etwas mit einem Verständnis von Surf Musik als "ausschließlich instrumental" anfangen (allerdings sehr wohl auch mit Musik ausschließlich instrumental).

Das mag den Puristen verschrecken, aber wenn ich auftreten würde, würde ich vocal-belastete Musik mit möglichst viel Surf Sounds und Indtrumental Riffs spielen, mit eingestreuten Instrumentals. Ob da auch Cover dabei (oder vorwiegend) wären, weiß ich nicht. Solange man nicht berühmt ist, muss man sich dem Publikum klar unterordnen. Und wenn das Bierzelt / der Pub Klassiker hören möchte, hat man wenig Wahl. Kleinere Konzert-Locations mögen da anders ticken, aber auch da gibt es Szenen, die man bedienen kann, oder eben nicht. Die Ventures haben gecovert, fast alle Rock'n Roller haben gecovert oder diegleichen Songs derselben Songschreiber gekauft, die Beatles haben gecovert. Nicht unbedingt ein ganzes Album lang, aber vielleicht so manchen Gig komplett, und haben als Backgroundband für Tony Sheridan My Bonnie is over the Ocean und Oh when the Saints gespielt... Und wieviele Künstler und Boy/Girl Bands covern heute Lieder, an die sich kaum wer noch erinnert...

Selber schreiben heißt ja auch nicht, nur selber Geschriebenes aufführen. Aber wenn man hängen bleiben will, braucht es entweder was Eigenes oder was sehr Altes, das keiner mehr kennt, in einer besseren Version. Aber es muss auch nicht Alles hängen bleiben: Auf den Alben vieler Künstler finde ich 3-5 Songs ziemlich gut, 2-3 genial und die andere Hälfte hörbar bis naja. Damit lässt sich die breite Masse schwer über die Zeit des Gigs bringen (auch wenn Geschmack ja verschieden ist). Aber wenn da die 2-3 genialen Songs bei sind, kann das reichen, um hängen zu bleiben (Ich erinnere mich an einen Gig von My New Zoo - Zu den Liedern hatte ich wenig zu gang, aber ein's ist hängen geblieben, und das höre ich heute noch). Und an wieviele Bands erinnert man sich Alles wg. 1-3 Hits...? (wobei meist Song 2 und 3 irgendwie wie Song 1 klingen...). One Hit Wonders, die einen Fuabdruck hinterlassen haben - Sehr achtenswert, und schade, wenn niemand durch Spielen derer Songs mehr daran erinnern würde. Aber durch Covern alleine erinnert man sich an wenige Bands.

Fazit: Vocal find ich voll OK, gerade wenn man Gigs haben will, Covern finde ich OK für Gigs und insgesamt als Beimischung. Aber irgendwie erinnere ich mich an Bands vor Allem wegen diesem einen Song, den die geschrieben haben und der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will :)
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Igorilla » Do Mai 21, 2015 12:25 pm

Sancho, ich würde Deine Frage ,,Covern oder nicht Covern'' nicht so drastisch formulieren.
Ich finde das Covern absolut okay, sofern es der Identität bzw. dem Stil der Band entspricht.
Ich habe oft Surfbands gehört, die sehr gutes eigenes Material haben, die es aber durch die Anzahl und die Auswahl
der Cover geschafft haben, die eigene Identität vollkommen untergehen zu lassen. Das fand ich schade.


Das von Dir erwähnte ,,Gebashe der Vocals'' nehme ich nicht ernst. Ich sehe es nur als Meinung von Leuten, lasse mich aber nicht davon beinflussen. Kein Dogma für mich! Hatte ich genug davon in meinem Leben.
Eines der schönsten Gigs (für mich) beim letztjährigen Surfer Joe Festival war am Samstag spät in der Nacht, als The Bradipos IV mit einer Sängerin (Anette war der Name, glaube ich) ein vokales Überraschungsset gespielt haben. Es waren alles Cover. War einfach gut gemacht, mit sehr guter Auswahl von Songs und einer sehr guten Sängerin. Top!

Ich habe gerade nachgedacht, was ich für Surf-Bands bzw. Surf-Alben in den letzten Jahren am meisten gehört habe.
Mein Fazit: Skandinavier haben bei mir gewonnen, dann Gesamteuropa. US-Bands höre ich kaum, wie ich festgestellt habe.
Das meiste aus der 1. US-Welle höre ich ich auch fast gar nicht mehr, weil es sich für mich verbraucht hat.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Birki » Do Mai 21, 2015 1:12 pm

oioioi ... das sind grundsatzfragen. ich denke, die reine instrumentalspielerei ist so ein artifizielles ding. die meisten alten bands haben durchaus gesungen (pyramids z. B.), manche hättens besser bleiben lassen sollen (der altmeister DD hat da zum beispiel echt furchtbares fabriziert) - und in unseren sets finden sich auch 2-3 vokalnummern, die ich halt mit viel hall rausplärre. als sänger tät ich mich nicht unbedingt bezeichnen. ich steh auch dazu, dass wir uns trotzdem als instro-band verstehen.

und zum covern - mein gott, ja ... mir sind eigenständige/schräge/originelle cover von liedern, die eh kaum einer kennt, lieber als krampfhafte eigenkompositionen um jeden preis. deswegen haben auch gar nicht soviele eigene nummern. ich mach da lieber was originelles, das sich in meinen augen zumindest auch abhebt, als dass ich 10 stückln nach schema F mit dem 1/4/5 strickmuster rausgack. passiert mir nämlich schon, dass ich mir bei einem konzert nach 50 minuten denk "super nummer - aber vielleicht solltens doch einmal auch eine zweite schreiben ..."

;)

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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon simoncoil » Do Mai 21, 2015 2:10 pm

Was ist denn hier los? Hier wird ja auf einmal über Surfmusik diskutiert! ;-)

Ich muss mich hinsichtlich der Frage, ob nur instrumental oder auch mit Gesang, hier leider mal als Dogmatiker outen: Wenn ich mir eine Surfband anhören gehe, dann will ich Instrumentals hören! Das ist natürlich konstruiert, weil ja schon in den 60ern kaum Bands ausschließlich instrumental unterwegs waren, aber das Problem liegt aus meiner Sicht auch ganz woanders: Ich habe bisher kaum eine Band im Surfbereich erlebt, die mich mit ihren Vokalnummer wirklich überzeugen konnte, weder in der First Wave noch später. Das einzige, was mich diesbezüglich wirklich angesprochen hat, sind die Kollaborationen von den Bambi Molesters mit Chris Eckman (zwei Songs auf "Dumb Loud Hollow Twang Deluxe" und "Sonic Bullets" sowie das The Strange-Album).

Was das Covern angeht: Ich muss mir nicht bei jedem Konzert Pipeline und Konsorten in möglichst genauer Annäherung ans Original geben. Dann lieber was Obskures oder eine interessante Neufassung. Wichtig ist außerdem, wie Igorilla schon gesagt hat, dass die Coversongs nicht nur als Füller dienen, um das Publikum zu bedienen, sondern zum Rest der Musik und der Identität der Band passen. Auch hier sind die Bambis für mich wieder das Paradebeispiel. (OT: Es wäre an dieser Stelle natürlich interessant zu erfahren, ob sich von außen betrachtet auch bei uns im Set "unpassende" Songs befinden. Vermutlich schon.)

In beiden Fällen kann ich übrigens das Konzept, es für das Publikum einfacher oder attraktiver zu machen, überhaupt nicht nachvollziehen. Klar, man will nicht nur für sich alleine oder vor leerem Saal spielen. Aber Ausgangspunkt für alle Entscheidungen sollte doch wohl sein, dass man Bock darauf hat! Erstens vermeidet man dann die Gefahr, zum bloßen Dienstleister zu verkommen. Dann kann man nämlich gleich mit Surfmusik aufhören und in einer Top40-Coverband anfangen. Zweitens ist dann auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass man die Musik mit der nötigen Begeisterung spielt, damit sie auch bei etwas kritischerem Publikum wie mir ankommt. ;-)

Noch kurz zu den neuen Releases: Ich stelle da bei mir ganz ähnliche Tendenzen fest. Es kommt inzwischen so viel Zeug raus, und wenn ich mir die aktuellen Podcasts anhöre, lässt mich das meiste davon auch eher kalt. Das Problem ist halt, dass mir viele Bands entweder zu traditionell bzw. einfallslos daherkommen, während mir bei den moderneren mehr und mehr der Bezug und der Vibe verlorengeht, den ich eigentlich mit Surfmusik verbinde. Die letzten Anschaffungen waren dementsprechend auch Compilations mit eher obskuren Nummern aus den 60ern. Da gibt es (zumindest für mich) immer noch viel zu entdecken.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon SanchoPansen » Do Mai 21, 2015 2:25 pm

Den EINEN Song zu schreiben, ist wohl so ziemlich die schwierigste Aufgabe überhaupt. Aber auch hier muss man abwägen, ob das das Gelbe vom Ei ist. Kann auch schnell das Braune vom Arsch werden. Ich erinnere mich an Fool's Garden mit ihrem Hit 'Lemontree'. Die haben lange nach ihrem Höhepunkt noch Konzerte gegeben und mussten diesen 'einen' Song dann 3-4 mal pro Konzert zum Besten geben. Wohl auch nicht gerade angenehm als Künstler, auf nur diesen einen Song reduziert zu werden.

Man liest halt immer wieder 'no vocals' u.ä. und die Verfasser/Musiker schreiben das auch irgendwie immer voller Stolz, als wäre es ein Qualitätsmerkmal. Finde ich auch sehr beschränkend und schlicht falsch.

Ich finde es schwierig als Surfband mit eigenen Stücken weiter zu kommen. Daher die Frage: Covern, oder nicht?! Und meine bisherige Erfahrung hat mir gezeigt, dass es sich durchaus lohnt, die Klassiker im Set zu haben. Wir sind in D, das darf man nicht vergessen. Das Publikum hier hat wohl wesentlich weniger Berührung zu Surf, als in den USA. Und man spielt selten ausschließlich vor 'Surf Fans'. Daher fürchte ich keinen Identitätsverlust, da die meisten Menschen aus dem Publikum höchstwahrscheinlich nicht oft in den Genuss kommen eine Surfband Live zu sehen. Da reicht es schlicht, dass man einfach nur Surf spielt.

Bei Annette ist mir kurz das Herz stehengeblieben und ich dachte zuerst, Du meinst Annette Funicello. Kann aber nicht sein, da sie leider bereits in 2013 verstorben ist. Wir spielen einige ihrer Stücke, da wir eine Sängerin haben. Sollte man als Surf Fan mal reinhören. Ist halt kein Surf, sondern Beach Musik. So würde ich das bezeichnen, bzw. sage ich das auch oft, wenn wir gefragt werden, was wir eigentlich machen. Streng genommen sind die Ventures ja auch keine Surf, sondern eine Instro Rock Band.
Unsere derzeitige Vorgehensweise öffnet uns Tor und Tür zu völlig anderen Konzertmöglichkeiten, neben JuZ und Kneipe. Oldtimertreffen, Segelclub, usw.

Das ist halt auch einfach der Punkt. Verbiegt man sich, wenn man nur Pipeline und Wipeout spielt? Ich persönlich finde das nicht. Und mir sind 500 begeisterte Leute wesentlich lieber, als 50 (ach was rede ich: 5!) Musikerpolizisten, die meine Musik 'bewerten'. Ich möchte Leute (Frauen) tanzen sehen und das durch/zu/mit Surf Musik. Einen Vergleich zur Top40 finde ich hinkt, da - wie schon geschrieben - nicht hunderte Top40 Surfbands in D touren.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon novamax » Do Mai 21, 2015 3:35 pm

Ist wohl eine strategische Frage, die jeder individuell entscheiden muss: ob man notfalls eher vor 5 Hardcore-Fans oder alleine im Proberaum mit Bock spielt (bzw. nur auf den 2 einschlägigen Veranstaltungen der Region oder größere Reisebereitschaft) oder eher notfalls mit Kompromissen häufig die Halle rocken möchte - Einen Tod stirbt man ja immer :)

Noch zum Covern: Was ich häufig richtig gut finde, sind Covers von guten Songs eines fremden Genres - So wie die Baseballs Top40 Songs zu 50ies Rock'n Roll verarbeiten. Mir fällt hier als aktuelles Beispiel einer NSSR Compilation Soul Bossanova von The Charades ein (Ich find's groovy :) ). Eigentlich ein altes Prinzip, wenn man sich die Ventures anguckt: Bezug für das Publikum, aber eigener Stil der Band mit kreativer Umsetzung.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon SanchoPansen » Do Mai 21, 2015 3:45 pm

Das bringt es auf den Punkt. Ich persönlich hätte halt gerne den 'Erfolg' (ich beziehe das auf die Häufigkeit der Gigs und die Begeisterung des Publikums) und vor allem die Gage einer Top40 Cover Band. Und wenn ich dafür Miserlou, Wipeout, Penetration, etc. spiele ist mir das egal. Ich fühle mich dabei nicht schlecht, wie schon bereits geschrieben. Wobei ich mich hingegen schlecht fühle, sind Gigs auf denen nur 10 Mann stehen und sich an ihrem Bier festhalten. Aber das muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden.

Die Idee fremde Genre zu 'versurfen' haben wir auch aufgegriffen. Man muss dabei aber auch vorsichtig vorgehen. Wird man schnell zu Dick Brave o.ä. Aber einen Reisser aus den 80ern z. B. zu 'versurfen' und in das Set aufzunehmen ist bestimmt eine sehr gute Idee und vor allem Wirkungsvoll für das Publikum (s. oben).
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Plastiki » Do Mai 21, 2015 7:54 pm

Hmm...
Ich glaub`, Ralf Kilauea wollte am 1.4. dieses Jahres auch den Brückenschlag zu Vocals/Instro vollziehen, als er seine ,,Best of Kilauea Lyrics``- Lesetour in diversen Etablissements ankündigte..??? :o :lol:
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Boy from LaJolla » Sa Mai 23, 2015 6:51 pm

zu 2 Punkten muss ich jetzt unbedingt was los werden...

1) Eigenkompositionen. Letzte Woche hab ich mir mal 5 podcasts von Surfguitar 101 hintereinander zugemutet ... Nur eine Handvoll der vorgestellten Titel hätt ich mir runtergeladen , eine weitere Handvoll waren geniessbar, der Rest ... - und jetzt werd sicher hier rausgeworfen - war handwerklich schlecht bis unterirdisch. Ich hätte nie gedacht, dass es heute noch genügt, wie in den frühen 60ern manche Beat-Bands einfach einen Gitarrengriff/Ton irgendwo in 'ne ungewohnte Ecke des Griffbretts zu schieben und das als Komposition, als kreative Leistung unter die Menschheit zu bringen.

Mißtönigkeit aka "Kakophonie" - Ex-Kanzler/Unmusiker Schröders Lieblingsbegriff, den ihm seine Redeschreiber erst mal erklären mussten- hat tatsächlich einen hohen Stellenwert in der zeitgenössischen "ernsten" Musik. Viele Genies haben sich damit einen Namen und Nennung im Künstelerlexikon gemacht, auch ohne Stadien zu füllen.. Diese Surf-Möchtegern-Composer oder doch besser Composter dagegen nerven nur.

2) okay, ich werd mich jetzt endgültig als Depp outen ...
Vokal oder instrumental ? ... unser Wiener Surfer, wenn er in der Schule aufgepasst hat, müsste eigentlich wissen, dass schon Mozart und Beethoven bei der Themenwahl ihrer Sinfonien mit diesem Phänomen kämpften. Und ICH mag die BeachBoys ... bis heute ist der 4stimmige Satz im Stil von Schuberts Männerquartett, den ihnen der Arrangeur der 4 Freshmen verpasste, von Bands ohne Gesangsausbildung so nie wieder erreicht worden, meine ich. Ich weiss , die BB sind in Surfkreisen verpönt, aber wahrscheinlich nur, weil ihre Songs nicht nur schnulzig sondern für "normale" Bands unreproduzierbar sind- ausser vielleicht Barbra-Ann.

Ich weiss, ich steh ziemlich allein damit ... egal, Jedem seine Welle...
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon novamax » Sa Mai 23, 2015 8:50 pm

Stehst Du nicht ;) Die Beach Boys waren die erste und andauerndste Band, mit der ich mich (bis heute) bewusst befasst hatte, und ich trage das Shirt von der 50th Anniversary Tour mit Freude. Die waren überhaupt der Grund, warum ich mal wieder nach Jaguars gegoogelt hab und hier in die Offset-Fan-Szene “abgeglitten“ bin :D - Erst dadurch wurde mir bewusst, dass es zu Songs wie Wipeout, Apache & Co eine eigene Genre-Szene gibt :D

Für mich sind sie nach wie vor eine der bedeutendsten Bands der Musik-Geschichte (und wer das Wettrennen zwischen Brian Wilson und Paul McCartney kennt, weiß warum). Klar waren viele Lieder Rock'n'Roll-typisch ähnlich, aber die Bandbreite insgesamt (von Surfing USA über Good Vibrations bis Kokomo, um Experimentelles mal außen vor zu lassen) war schon beeindruckend.

Gerade den mehrstimmigen Gesang a la Four Freshmen finde ich sehr cool, weil's kaum einer so hinkriegt (Jan & Dean bzw. die Strandjungs kennst Du dann ja sicher auch).
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon Birki » Sa Mai 23, 2015 9:30 pm

servas!
Boy from LaJolla hat geschrieben: ... unser Wiener Surfer, wenn er in der Schule aufgepasst hat, müsste eigentlich wissen, dass schon Mozart und Beethoven bei der Themenwahl ihrer Sinfonien mit diesem Phänomen kämpften.


ICH? ich habe seit jahrzehnten intimen verkehr mit einer orchestermusikerin - kenn beethoven und mozart bestens. in der schule habe ich allerdings selten aufgepasst. und ich mag auch vocal surf. aber dass jeder die beach boys und keiner die Centurions oder die California Suns kennt ist ein weiterer beweis, dass die welt ein schlechter ort ist ...

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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon simoncoil » So Mai 24, 2015 6:18 pm

Birki hat geschrieben:servas!
aber dass jeder die beach boys und keiner die Centurions oder die California Suns kennt ist ein weiterer beweis, dass die welt ein schlechter ort ist ...


So ist es!

Boy from LaJolla hat geschrieben:zu 2 Punkten muss ich jetzt unbedingt was los werden...

1) Eigenkompositionen. Letzte Woche hab ich mir mal 5 podcasts von Surfguitar 101 hintereinander zugemutet ... Nur eine Handvoll der vorgestellten Titel hätt ich mir runtergeladen , eine weitere Handvoll waren geniessbar, der Rest ... - und jetzt werd sicher hier rausgeworfen - war handwerklich schlecht bis unterirdisch. Ich hätte nie gedacht, dass es heute noch genügt, wie in den frühen 60ern manche Beat-Bands einfach einen Gitarrengriff/Ton irgendwo in 'ne ungewohnte Ecke des Griffbretts zu schieben und das als Komposition, als kreative Leistung unter die Menschheit zu bringen.

Mißtönigkeit aka "Kakophonie" - Ex-Kanzler/Unmusiker Schröders Lieblingsbegriff, den ihm seine Redeschreiber erst mal erklären mussten- hat tatsächlich einen hohen Stellenwert in der zeitgenössischen "ernsten" Musik. Viele Genies haben sich damit einen Namen und Nennung im Künstelerlexikon gemacht, auch ohne Stadien zu füllen.. Diese Surf-Möchtegern-Composer oder doch besser Composter dagegen nerven nur.


Ich kenne zumindest einige Folgen der SG101-Podcasts und wundere mich jetzt ehrlich gesagt. Was da gespielt wird, gehört nach dem, was ich als allgemeinen Geschmack der Zielguppe ansehen würde, mit zum besten, was in den betreffenden Jahren an Surfmusik erschienen ist. Man nehme nur Episode 1: Satan's Pilgrims, The Madeira, The Nebulas, The Tomorrowmen, Jon & the Nightriders, El Ray, Los Twang! Marvels, und The Fathoms. Alles großartige Bands mit hohem technischen und musikalischem Niveau, wie ich finde (und damit bin ich nicht alleine).
Zur Sicherheit: Das gilt nicht für die jährlich erscheinenden SG101 MP3 Comps. Die bestehen zu großen Teilen aus Homerecording-Skizzen der verschiedenen Forumsmitglieder und dienen eher dem Austausch untereinander.

Und ich verstehe den letzten Teil der Argumentation ehrlich gesagt auch nicht. Sollen Surfbands jetzt ernsthaft mit Zwölftonmusik oder serieller Komposition anfangen, um nicht in die ewig gleiche Wiederholung von bereits bekanntem zu verfallen? Oder welchen Zusammenhang siehst du da?
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon SanchoPansen » So Mai 24, 2015 8:02 pm

Kann ich auch nicht nachvollziehen, höre aber auch nie den SG101 Podcast. Alle von Simon genannten Bands sind wirklich ausgezeichnet und sehr weit vom üblichen Geschrammel entfernt. Wobei ich die eine besser und die andere weniger gut finde, aber das ist mein persönlicher Geschmack.
Ich muss es jetzt mal loswerden: Die Beach Boys mach(t)en Beach Musik, keinen Surf! Was unter keinen Umständen etwas schlechtes ist, aber die Beach Boys mit z. B. den Astronauts in einen musikalischen Kontext zu bringen ist schwierig (nicht die späten Astronauts!). Daher sollte man hier etwas differenzierter über die Genres sprechen. Instrosurf, vor allem der Instrosurf der 1st Wave wurde von größtenteils Teenagern geschrieben und ist daher wesentlich weniger Komplex, als die Stücke der Beach Boys. Meist bestehen die Songs aus maximal 5 Akkorden (gerne auch mal nur 2) und spiegeln einen völlig anderen Musikstil wieder. Rau, ungeschliffen, teils aggressiv. Viele neue Bands versuchen diesen Stil beizuhalten, was für mich meistens uninteressant klingt. Wenn schon den Flair der 1st Wave, dann auch bitte die Songs der 1st Wave. Dagegen stehen allerdings u.a. die Bands, die Simon erwähnt hat, die mit einem völlig neuem Ansatz an den Surf Sound herangehen und etwas eigenes, einzigartiges kreieren. Ob das nun gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters...allerdings ist es kein musikalischer 0815 Einheitsbrei. Mich würde jetzt wirklich interessieren, was im Podcast gelaufen ist.
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Re: To Be or Not to Be...

Beitragvon novamax » So Mai 24, 2015 8:44 pm

SanchoPansen hat geschrieben:Ich muss es jetzt mal loswerden: Die Beach Boys mach(t)en Beach Musik, keinen Surf!.

Das sind doch alles letzten Endes, Wörter, die man so oder so definieren kann. Ich bin da nicht sattelfest, weil zu kurz dabei, aber ich habe sowohl die Trennung wie von dir als auch die Trennung Surf Rock (Dick Dale & Co) vs. Surf Pop (Beach Boys & Co) gelesen, beides zusammen dann surf music. Das hat sich bei mir irgendwie als markant und passend eingebrannt, mag aber falsch sein. Wobei auch die BBs wipeout gespielt und DD gesungen hat - sicher mit jeweils anderem Sound. Wenn es also irgendwo eine einheitliche Definition gibt (Dick Dale's Selbst-Marketing zähle ich nicht dazu), lerne ich gern dazu - Ich benutze sich gern die anderen Begriffe, unn schleiche zu sagen. Bisher erschien mir das aber keineswegs so eindeutig.

Was andererseits sich ziemlich egal ist: Im Endeffekt ist es doch wurscht, wer was wie nennt - Wir meinen doch dasselbe (keineswegs alles in einen Topf, sondern schon die zwei Kategorien).

SanchoPansen hat geschrieben: Instrosurf, vor allem der Instrosurf der 1st Wave wurde von größtenteils Teenagern geschrieben und ist daher wesentlich weniger Komplex, als die Stücke der Beach Boys. Meist bestehen die Songs aus maximal 5 Akkorden (gerne auch mal nur 2) und spiegeln einen völlig anderen Musikstil wieder. Rau, ungeschliffen, teils aggressiv.

Naja, Brian war auch noch keine 20, als Songs von furchterregender Komplexität wie Surfing und das “Sweet little Sixteen Cover“ Surfing USA entstanden sind... Komplex wurde es meines Wissens erst später. Zugegeben: Mit seinem musikalischen Background und dem Interesse an den Four Freshmen ist rau und aggressiv nicht die richtige Kategorie... Deshalb fand ich die Bezeichnung Surf Pop sich recht zutreffend.
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